Geschichte der Landkarte: Von den Anfängen bis Mitte 20.Jhd.

Was wäre Geschichte ohne die historische Kartografie?


Die Geschichte der Atlaskartografie
 

Erinnern Sie sich noch an eine historische Karte aus Ihrer Schulzeit oder an den Weltatlas mit Landkarten von Deutschland, Europa und allen Kontinenten? Historische Landkarten gewähren Einblicke in vergangene Zeiten. Sie lassen uns eintauchen in ein früheres Jahrhundert. Dabei erzählt jede historische Karte ihre ganz eigene Geschichte. Auf diese Weise können wir die Entdeckung der Welt durch mutige Seefahrer miterleben oder politische Veränderungen in Deutschland wie Europa nachvollziehen. Zudem zeigen uns historische Landkarten durch ihre Zierelemente aus mythologischen Figuren und nautischen Gerätschaften ein Bild ihrer Zeit. Indirekt geben sie Auskunft über zeitgenössisches Kunstverständnis und den technischen Stand ihrer Epoche. Heutzutage wird wie selbstverständlich das Internet konsultiert, um Näheres über die geographische Lage einer Region zu erfahren. Möchten wir wissen, wie Europa aussieht oder welche Form Deutschland hat, rufen wir online entsprechende Informationen ab. Für jeden Bedarf gibt es die passende Karte, ob zum Wandern in Deutschland oder zum Motorradurlaub quer durch Europa. Aber woher stammt dieses - oftmals historische - Wissen? Wer waren die Kartografen, die begonnen haben, Landkarten anzufertigen?

Die Geschichte der Kartografie ist ein spannendes Kapitel, das vom klassischen Altertum bis heute seine Vielfältigkeit nicht verloren hat. Schon im antiken Griechenland beschäftigten sich Gelehrte mit Geografie. Sie berechneten Winkel anhand bekannter Sternbilder und legten historische Landkarten an. Allerdings war die faszinierende Welt der Kartografie lange einer reichen Elite vorbehalten. Breitere Kreise in Deutschland und Europa erhielten erstmals im 16. Jahrhundert mit der Entstehung gebundener Atlanten Einsicht in diese Kunst. Die Basis hierfür legten zwei berühmte niederländische Kartographen: Ortelius und Mercator. Ihre historische Bedeutung für die Kartographie ist immens. Sie legten die Basis, begannen historische Landkarten in Buchform zu binden und gaben der entstandenen Gattung ihren Namen: Der "Atlas" war geboren. Ihnen und anderen wegweisenden Kartografen ist es zu verdanken, wenn heute wertvolle historische Landkarten oder handgearbeitete Folianten einen Blick in die Geschichte des geografischen Wissens eröffnen.


Atlanten entstehen: Zur Geschichte der Kartografie


Ziel der Kartografie ist es, Daten über die Topographie einer Landschaft zu bündeln und nutzbar darzustellen. Wer in ein fernes Land aufbricht, unternimmt ohne Karte eine Fahrt ins Ungewisse. Entsprechend galten historische Landkarten als hoch geschätzte Hilfsmittel, stützten sie sich doch auf Berichte früherer Expeditionen, historische Erfahrungswerte oder Messungen.


Der in Deutschland übliche Begriff für ein Kartenwerk lässt sich auf den Titan Atlas aus der griechischen Mythologie zurückführen. Von Zeus für seinen Ungehorsam bestraft, trägt er, am Rand der Erde (griech. Gaia) stehend, das Himmelsgewölbe (Uranos) auf seinen Schultern.


Im Fachbereich Kartografie geht der Gebrauch des Begriffes auf Mercators Werk "Atlas sive Cosmographicae Meditationes de Fabrica Mundi et Fabricati Figura" von 1595 zurück. Im Vorwort zu diesem Kompendium zeittypischer Landkarten bezieht sich Mercator auf eine Gestalt der Sagenwelt: den weisen König Atlas von Mauretanien, der sich historischen Schriften zufolge mit den Gestirnen und ihrer Kugelgestalt beschäftigt haben soll. Mercator hat einen wegweisenden Archetypus geschaffen, dem bis heute die gebräuchliche Definition von Atlas entspricht - als einem Buch, das verschiedenes Kartenmaterial enthält: historische, politische, landwirtschaftliche oder andere Landkarten.

Historische Landkarten von den Anfängen bis 1500


Schon früh begannen Gelehrte, die Erde zu vermessen, um sie in Landkarten beschreibbar zu machen. Bald diente eine Karte dank ihrer Einteilung in Einheiten der Orientierung. So wurde bereits im ersten Jahrhundert n. Chr. vom griechischen Geographen Marinos von Tyros eine Karte mit Gradnetzen zur geographischen Koordination angelegt.


Überliefert sind frühe Kenntnisse der Kartografie durch den griechischen Astronomen Claudius Ptolemaeus, der im zweiten Jahrhundert n. Chr. mehrere historische Landkarten der antiken Welt zur Sammlung "Geographike Hyphegesis" zusammenstellte. Auf seine Ausarbeitung eines Sternenkatalogs mit geozentrischem Weltbild, in dem die Erde als Fixpunkt das Zentrum der kreisenden Planeten bildet, referiert der Begriff "ptolemäisches Weltbild". Da bis zum Spätmittelalter kaum Fortschritte in der kartografischen Erfassung und Gestaltung von Landkarten gemacht wurden, besaß das Kartenwerk von Ptolemäus mehrere Jahrhunderte lang unbestrittene Aktualität. Noch im 15. Jahrhundert fertigte man infolge der Erfindung des Buchdrucks in Deutschland durch Johannes Gutenberg Reproduktionen an.


Weitreichende Bedeutung erlangte auch die "Katalanische Mapa Mondi" des mallorquinischen Kartografen Abraham Cresques. Die 1375 entworfene historische Weltkarte spiegelt besonders das Gebiet rund um das Mittelmeer detailreich wieder.

Historische Landkarten zwischen 1500 und 1600


In Europa beginnt das Jahrhundert der Seefahrer und Forschungsreisen. Vasco da Gama findet den Seeweg nach Indien um Südafrikas Kap der Guten Hoffnung, Magellan umsegelt die Welt. Die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus schlägt ein neues Kapitel in der Erdvermessung und Kartografie auf. Am Anfang steht mit dem "Theatrum Orbis Terrarum" ein Atlas des flämischen Geographen Abraham Ortelius (1527-1598). Zu Ortelius' Lebzeiten war Antwerpen - neben Hamburg in Deutschland - eine der bedeutendsten Handelsstädte in Europa. Zahlreiche Kaufleute empfingen Waren aus aller Welt und verschifften Handelsgüter. Eine entscheidende Grundlage internationaler Handelsbeziehungen waren Landkarten. Sie hatten große historische Bedeutung für den Fern- sowie Überseehandel, boten sie doch eine gewisse Sicherheit abseits bekannter Regionen. Ortelius, dessen Familie ursprünglich aus Deutschland stammte, arbeitete zeitweise als Kolorist von Landkarten, bereiste Europa und sammelte historische Landkarten. Diese ließ er für sein späteres Opus in ein einheitliches Format umarbeiten.

Die Geburt des gebundenen Kartenwerks - "Theatrum Orbis Terrarum" von Abraham Ortelius


Während bis dato lose Gebiets- oder Landkarten üblich waren, beginnt mit dem "Theatrum Orbis Terrarum" (Welttheater) die Zeitschreibung gebundener Atlanten. Angesichts des nicht zu unterschätzenden Faktors der Geheimhaltung ein mutiger Schritt. Da eine professionell gefertigte Karte weitreichende Auskünfte über das dargestellte Gebiet erteilt, birgt sie in falschen Händen erhebliche Gefahren. Landkarten sind von militärischem wie kaufmännischem Interesse. Jahrhundertelang war der Besitz aktueller Landkarten von entscheidender strategischer Bedeutung. Eignet sich der Weg für eine Handelsroute? Führt über diesen Gebirgszug ein Pfad in den Rücken des Gegners? Wer im Besitz der richtigen Karte war, hatte klare Vorteile - entsprechend wurden historische Landkarten oftmals an geheimen Orten versteckt. Wie revolutionär erscheint angesichts dieser Tatsache die Publikation des "Theatrum Orbis Terrarum"...


Im Mai 1570 mit Unterstützung des Bankiers und Reeders Gillis Hooftman in Antwerpen gedruckt, enthält der "Ortelius-Atlas" inhaltlich zusammenhängende historische Landkarten und bietet damit erstmals einen repräsentativen Gesamteindruck der bekannten Welt. Aus 70 gezielt für diesen Einsatzbereich aufeinander abgestimmten Landkarten zusammengesetzt, läutet der Foliant eine neue Epoche der Kartografie ein. Als langjähriger Sammler verfügte Ortelius über einen immensen Fundus lokaler wie globaler Landkarten. Die Zusammenstellung unabhängiger Landkarten führte zu internen Unterschieden, was sich in der Optik und Qualität dieses Ur-Atlases zeigte. Dadurch weist das Gesamtwerk noch die Heterogenität einzelner Stiche und Maßstäbe auf. Pro Karte war ein kurzer lateinischer Text als Einführung in das dargestellte Gebiet angefügt. Ergänzt mit Zeichnungen mythologischer Figuren und maritimen Materials eröffnete das Werk auch zeitgenössischen Gelehrten eine bis dato unbekannte Sichtweise, spiegelte es doch das Wissen der erfahrensten Geographen der historischen Gegenwart wieder. Da im 16. Jahrhundert Teile der Südhalbkugel noch unbekannt waren - Australien wurde erst im 17. Jahrhundert entdeckt, Amerika war nur punktuell erschlossen - liegt der Schwerpunkt von Ortelius' Werk auf Europa, maßgeblich den Gebieten um das heutige Deutschland, Frankreich, Italien, etc. (56 historische Landkarten). Die Darstellung von Asien und Afrika beschränkt sich überwiegend auf historische Darstellungen des Osmanischen Reichs.

Ein Archetypus ist geboren und die Niederlande schwingen sich zum frühen Mittelpunkt der Kartografie-Geschichte in Europa auf. Ortelius' Sammlung wertvoller Landkarten mit zahlreichen geographischen Details belegt eindrucksvoll die Möglichkeiten im 16. Jahrhundert. Zudem sind die vom berühmten Kupferstecher Frans Hogenberg (1535-1590) gefertigten Stiche von höchster Qualität und aus heutiger Sicht wichtige historische Belege damaliger Techniken. Auch das detaillierte Quellenverzeichnis der einzelnen Karten war wegweisend in einer Zeit, in der Raubdrucke üblich waren.


Im Laufe der folgenden Jahre überarbeitete Ortelius sein Werk mehrfach. Durch Erweiterungen wuchs es von ursprünglich 70 auf 167 historische Landkarten in der 1612 posthum erschienenen Auflage.

Die historische Landkarte schreibt Geschichte - "Atlas, sive Cosmographicae Meditationes de Fabrica Mundi et Fabricati Figura" von Gerhard Mercator


Ein Werk als Namensgeber einer ganzen Gattung: Allein diese Tatsache zeigt die epochale Wirkung des "Atlas" von Gerhard Mercator (geboren am 5. März 1512 in Rupelmonde, Flandern und gestorben am 2. Dezember 1594 in Duisburg, Deutschland). Basierend auf dem Werk des flandrischen Gelehrten dient die Bezeichnung Atlas seit dem 16. Jahrhundert als feststehender Begriff für jede Art gebundener Landkarten. Erst posthum verlegt, entwickelte sich der "Atlas, sive Cosmographicae Meditationes de Fabrica Mundi et Fabricati Figura" (Atlas, oder kosmografische Meditationen über die Schöpfung der Welt und die Form der Schöpfung) zum wegweisenden Erfolgswerk. Bis zu seinem Tod im Jahr 1594 arbeitete Mercator an diesem Projekt. In seinem Vorwort erläutert er die Wahl des Titels in Bezug auf den mauretanischen König Atlas, den ersten Astrologen. Gleichzeitig stellt Mercator unter Berufung auf einen Text von Diodor die Beziehung zur Atlas-Figur der griechischen Geschichte her: "Meine Bestimmung ist es also, es diesem Atlas nachzutun, (...) die Kosmografie zu betrachten, (...) um zu sehen, ob ich möglicherweise durch meinen Fleiß einige Wahrheiten in noch unbekannten Dingen finden kann (...)."

Während einzelne Karten bereits veröffentlicht waren, als Mercator in seinem 83. Lebensjahr starb, erschien die erste vollständige Ausgabe mit Titelblatt rund ein Jahr später unter der Leitung seiner Söhne.


Ganz im Stile der Zeit konzipiert, besteht der Gattungs-Pate aus zwei Teilen. Ein erster Abschnitt (Kosmographie) enthält unter dem Titel 'Mundi Creatione et Fabrica Liber' Mercators theoretische Schriften zur Schöpfungsgeschichte. Im zweiten Teil folgt das eigentliche Kartenwerk, bestehend aus 107 Landkarten von Deutschland und Europa neben anderen Ländern und Kontinenten sowie detaillierten Regionalkarten. In späteren Ausgaben findet sich zudem eine vom Duisburger Ratsherrn Walter Ghim verfasste Biografie des Verfassers Gerard de Kremer (latinisiert: Gerardus Mercator).


Stellvertretend verbildlicht das berühmte Titelkupfer eine Weltkarte und den Anspruch des Opus. Schematisierte Symbole der bekannten Kontinente Europa, Asien, Amerika und des sagenhaften Südkontinents Magellanica umringen den Namensgeber. Mittig steht der historische Atlas, einen Himmelsglobus in Händen, während der Erdglobus vor ihm liegt. Links und rechts sind zeitgenössische Frauenfiguren zu sehen, unter den Schriftbannern 'Europa' und 'Asia'. Auf den Säulenkapitellen im Norden der "Karte" thronen ein stilisierter indianischer Bogenschütze über der Inschrift 'Mexicana' und ein Krieger über dem Schriftzug 'Africa', während mit Tüchern bekleidete Frauen, links 'Peruana' rechts 'Magalanica' den unteren Bildabschnitt - die Südhälfte - zieren.


Zu Beginn des Kartenteils zeigt die erste Karte eine historische Darstellung des Erdglobus "Orbis Terrae". In der nördlichen Hemisphäre findet sich Europa mit Deutschland in zentraler Lage. Noch unscharf umrissen werden die Bereiche der Südhalbkugel dargestellt: das von Magellan kurz zuvor umschiffte Kap Horn und Feuerland sowie der vermutete fünfte Kontinent "Terra Australis", das Land im Süden. Schiffe segeln auf den Weltmeeren und erzählen die Geschichte mutiger Entdecker.


Während Ortelius' "Theatrum" als Urform der gebundenen Sammlung von Landkarten gilt, rangiert das marginal jüngere Werk seines Landmannes Mercator in der Geschichte als Gattungs-Erstling. Ortelius hatte als Sammler primär die Arbeit des Verlegers übernommen: Er vereinigte historische Landkarten zu einem Druckwerk. Mercator gestaltete als Kartograf und Graveur einen homogenen, konsistenten Atlas. Dementsprechend liegt sein entscheidender Verdienst in der einheitlichen Optik, stimmigen Maßstäben und Koordinaten sowie einer durchgängigen Symbolik. Texte zu Ländern, ihren Bewohnern, ihrer Geschichte und interessanten Interna begleiten jede Karte. Sie basieren auf Reiseerlebnissen Mercators, Gelehrtenberichten, literarischen Zeugnissen und untermauern den Anspruch ihres Verfassers, Atlas in der Erforschung der Welt nachzustreben.


Später kaufte der Amsterdamer Verleger Jodocus Hondius (1563-1612) die verwendeten Kupferplatten. Er erweiterte das Jahrhundertwerk um 36 historische Landkarten. In den Folgejahren begründen zusätzliche Ausarbeitungen und diverse Übersetzungen Amsterdams Aufstieg zur Metropole der Kartografie. Mit dem 1607 ebenfalls von Hondius veröffentlichten "Atlas Minor" Mercators sind die Grundsteine für das so genannte 'Goldene Zeitalter' gelegt: die holländische Blütezeit der Kartografie.

17. Jahrhundert: Blütezeit der Kartografie in Europa


Mercators Werk löste einen in der Geschichte der Kartografie einmaligen Aufschwung aus. Ein Atlas als Informationsmedium, das neben wissenschaftlichen Fakten auch künstlerische Elemente und historische Landkarten enthält, entsprach dem forschenden Zeitgeist. So entstanden im 17. Jahrhundert in Deutschland und Europa zahlreiche historische Atlanten. Beispielhaft hierfür ist die Arbeit eines der wichtigsten Verleger dieser Zeit, des in Amsterdam ansässigen Frederick de Wit (1630-1706). Er publiziert diverse Kartenwerke, ohne sie zu datieren oder mit aufwändigen Titeln zu versehen. Schlicht als "Atlas" gekennzeichnet, kamen sie auf den Markt und schrieben Geschichte. Enthielten doch gerade die älteren Ausgaben hochwertige historische Karten von Blaeu und dem Hondius-Kompagnon Janssonius. Bis heute bekannt ist etwa der historische Seeatlas "Orbis Maritimus ofte Zee-atlas".


Ebenso langfristige Wirkung zeigte der ursprünglich in elf Bänden aufgelegte "Atlas Maior" des niederländischen Kartografen und Kupferstechers Joan Blaeu (1598-1673). Das 1662 erschienene Hauptwerk des Kartografensohnes stellt einen vorläufigen Höhepunkt in der Kartografie-Geschichte dar und zählt zu den aufwändigsten Werken im 17. Jahrhundert. Weitere Ausgaben (9-12 Bände und rund 600 historische Landkarten) in verschiedenen Sprachen bedingen den internationalen Erfolg - und bilden die Basis des 50-bändigen Mammutwerkes "Atlas Blaeu-Van der Hem". Das über 2.000 historische Karten zählende Schmuckstück befindet sich heute in der österreichischen Nationalbibliothek in Wien.


Ebenso stammt eines der größten Werke der Kartografie in Deutschland aus dem Hause Blaeu: der 1664 herausgegebene "Rostocker Große Atlas". Mit einer Seitenhöhe von 167 Zentimetern ist das beinahe mannshohe Original aufgeschlagen stolze 204 Zentimeter breit und 120 Kilogramm schwer. Deckel aus Eichenholz mit Lederbeschlägen zieren das beeindruckende Buch.

Historische Landkarten auf dem Weg in die Moderne: das 18. Jahrhundert


Im folgenden Jahrhundert übernahmen französische Verleger die Vorreiterrolle im Bereich Kartografie und historische Landkarten. Dank neu entwickelter Techniken wie der Triangulation überzeugten deren Landkarten zunehmend durch Präzision, basierend auf damals modernsten Vermessungsdaten. Als Beispiel hierfür dient der 1699 vom französischen Kartenverleger und Kupferstecher Nicolas de Fer (1646-1720) in Paris herausgegebene "Atlas curieux ou le monde dressé". Er eignet sich für navigatorische Zwecke zuverlässiger als bisherige historische Landkarten, nicht zuletzt, da de Fer seine Daten vor Verwendung an der Académie des Sciences (Akademie der Wissenschaften) durch anerkannte Astronomen prüfen ließ.


Spannende Berichte von Entdeckungsreisenden, kombiniert mit den aktuellsten geodätischen Erkenntnissen, bereichern die Atlanten des Kartografen Jean-Baptiste Bourguignon d'Anville (1697-1782). Bei ihm erhalten historische Landkarten ihre Geschichte und reifen zu wertvollen Kulturgütern.


Bis heute berühmt ist mit Rigobert Bonne (1727-1794) ein weiterer Vertreter der französischen Kartografie: Die von ihm 1752 entwickelte, so genannte unecht-zylindrische Projektion einer Karte war durch ihre flächentreue Wiedergabe revolutionär. Beispielhaft hierfür steht seine einzigartige, herzförmige Projektion der Erde.


Im 18. Jahrhundert verlegte der Nürnberger Kartograf Johann Baptist Homann (1664-1724) in Deutschland große Atlanten und begründete einen Verlag, den später Erben um seinen Schüler Mattias Seutter (1678-1756) weiterführten. Neben dem 126 Landkarten zählenden Hauptwerk "Grosser Atlas über die ganze Welt" von 1716 entstand posthum der "Atlas geographicus maior" (1740) in drei Bänden.


Relativ spät erschienen renommierte Werke österreichischer Kartografen, wie etwa Schrämbls "Allgemeiner Grosser Atlas" (1786, Wien) sowie Franz Johann Joseph von Reillys unvollendeter, berühmter 'Schauplatz der fünf Theile der Welt' (1789, Wien - 830 historische Landkarten).

Historische Landkarten in Perfektion: professionelle Gravierer (Stecher)


Die historische Bedeutung der Stecher reicht in Deutschland bis ins Mittelalter zurück. Sie transformieren die Welt in ein handliches Format, machen Ihre Umwelt lesbar und für breite Bevölkerungsschichten zugänglich. Topografische Gegebenheiten werden mit geografischen Kenntnissen angereichert, Deutschland, Europa, Kontinente, Gebirge, Täler, Seen, Flüsse, Wüsten, Wälder als Karte aufbereitet. Dabei bildet neben grafischer Exaktheit die Fähigkeit, vorhandene Räume für diejenigen Illustrationen zu nutzen, die gezielt die Informationswünsche des Betrachters bedienen, einen wichtigen Aspekt. Historische Gravierer arbeiten traditionell eigenständig im Auftrag unterschiedlicher Verleger und fertigen historische Landkarten für diverse Publizisten an. Als stolze Handwerker vermittelten sie ihren Söhnen Wissen sowie technische Fertigkeiten weiter.


Ursprünglich wurden die Stiche auf Kupfer hergestellt: Das weiche Metall war einfach zu bearbeiten und die Druckergebnisse überzeugten. Allerdings ließen sich via klassischem Kupferdruck lediglich einfarbige Landkarten erstellen, weshalb sie nachträglich von Hand koloriert werden mussten (Beruf des Kolorateurs). Später zogen besonders in England die Gravierer Stahlplatten vor. Parallel erfolgte im 19. Jahrhundert der Übergang zur Lithografie (Steindruck), die Ende des 18. Jahrhunderts in Deutschland von Alois Senefelder entwickelt worden war. Sie brachte eine größere Variabilität in der Darstellung mit sich, zudem ermöglichten neu entwickelte Maschinen gezielten Farbdruck.


Historische Karten als Zeugen der Geschichte


Bis zum Übergang vom 18. ins 19. Jahrhundert wurde eine Karte nicht nur als wissenschaftliches Erzeugnis, sondern auch als eine Art Gemälde betrachtet. In ihr vereinen sich Kunstfertigkeit und präzises Handwerk. Geodätische Daten treffen auf Zierelemente, Tier- und Menschenbilder, technische Gerätschaften und zeitgenössische Schriftsetzungen. Entsprechend beeindruckend zeigen sich historische Landkarten aus einem frühen Jahrhundert dem heutigen Betrachter: Weit mehr als eine bloße Karte vermitteln sie einen lebendigen - und bleibenden - Eindruck gelebter Geschichte.


Mit dem beginnenden 19. Jahrhundert entstanden erste topografische Landesaufnahmen. Eine Karte konnte nun mehrfarbig gedruckt werden, was die nachträgliche Kolorierung - wie bis dato für historische Landkarten üblich - erübrigte. Kreative Abbildungen und Zierleisten wichen zunehmend wissenschaftlicher Exaktheit.


Wieder begann ein neues Kapitel im Bereich historische Kartografie.

Alte Landkarten um 1800 in Deutschland und Europa

Im 18. Jahrhundert erhielt die Herstellung der Atlanten und Landkarten und Stadtpläne in Deutschland und Europa den Status eines Gewerbes. Leider kam es zu der Zeit immer noch zu Nachlässigkeiten bei der Aufdatierung der alten Landkarten. Die Landkarten wurden damals immer wieder neu gedruckt, aber nicht mit dem neuesten Datum versehen. Daher stand kein aktuelles Material an Landkarten zur Verfügung. Auf lange Sicht waren die meisten der Privatkartografen damit überfordert, einheitliche, topografische Aufnahmen sowie die kartografische Bearbeitung ganzer Länder in großen Maßstäben abzubilden. Viele Länder begannen daraufhin damit, die Staatsgebietskartierung zu finanzieren. Am Ende des 18. Jahrhunderts stellte das Land sogar Beamte als Kartografen an. Es begann nun die Zeit der modernen topografischen Landesaufnahmen, die damals schon als sehr präzise galten. Damals beschränkten sich die genauen Landvermessungen eher auf flache Landstriche, wobei das Hochgebirge bestenfalls schematisch dargestellt wurde. Doch die Technik besserte sich kontinuierlich, so dass es bald möglich war, auch Gletscher- und Almregionen präzise in alte Landkarten abzubilden.

Alte Landkarten von Deutschland und Europa

 

Es waren bis dahin zwar schon viele Staaten topografisch erfasst worden, der Ausdruck als Landkarte, Weltkarte oder Stadtplan blieb jedoch als Ergebnis aus. Als Vorbild zahlreicher Kartenwerke in Deutschland und ganz Europa galt die Dufourkarte der Schweiz. Sie war besonders anschaulich durch die Darstellung des Geländes durch Schattenraffen und einer Beleuchtungsrichtung aus Nordwest. Die amtlichen Kartenwerke wie alte Landkarte, Stadtplan oder Weltkarte in dieser frühen Zeit wurden mit der Reproduktionstechnik des "Kupferstich" hergestellt.

 

Weltkarten, Stadtpläne und alte Landkarten in Atlanten

 

Alte Landkarten, Stadtpläne und Weltkarten in farbigem Ausdruck etablierten sich Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland und in Europa. Hier kam die Lithografie für den Druck geologischer Karten zum Einsatz. Diese Reproduktionstechnik wurde im Jahr 1798 erfunden und überzeugte besonders mit der Anschaulichkeit für die alte Landkarte, den Stadtplan oder die Weltkarte. Die Kosten waren bei dieser Herstellungsvariante damals sehr gering.

 

Alte Landkarten, Stadtpläne, Weltkarte und farbige topographische Karten in Deutschland und Europa

 

Die alte Topographische Karte des Kantons Zürich war eine der ersten topografischen Kartenwerke in Farbdruck. Ihr folgten die topografischen Karten von Baden und Württemberg sowie die alte Schweizer Siegfriedkarte. Diese drei Werke tragen zwar die Bezeichnung Topographischer Atlas, im heutigen Sprachgebrauch handelt es sich aber um alte Kartenwerke und nicht um Atlanten.

Die Entwicklungen in der Kartografie von Stadtplan, Weltkarte und Landkarten blieben in Deutschland und ganz Europa nicht ohne Wirkung auf die Privatindustrie. Es gab immer mehr so genannte geografische Institute, etwa in Weimar, Leipzig und Gotha, die Landkarten, Weltkarten, Atlanten und Stadtpläne herausgaben. In Gotha war die geographische Anstalt des Justus Perthes lange Zeit führend in der Branche. In Gotha brachte der Geograph August Petermann seine Zeitschrift "Petermanns Geographische Mitteilungen" heraus und machte sie zur bedeutsamsten Fachzeitschrift der Geographie in deutscher Sprache. In ihr wurden alle wichtigen geographischen Entdeckungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert in Deutschland und Europa publiziert. In jeder Ausgabe erschienen aktuelle Landkarten, Stadtplan oder Weltkarte, die damals anerkennende Kritik erhielten.

 

Alte Landkarten, Weltkarte und Stadtplan im Stielers Hand-Atlas

 

Deutschland war im 19. Jahrhundert in Europa führend in der Kartografie von Atlanten, die alte Landkarten, die Weltkarte und Stadtpläne enthielten. Der alte Handatlas von Adolf Stieler erschien ab dem Jahr 1817 bei Perthes in Gotha. Der Justus Perthes Verlag wurde 1785 in Gotha gegründet und ist dort noch heute unter dem Namen Klett/Perthes etabliert. Der Verlag ist bekannt für vielfältige Ausgaben von Weltkarten, Reisekarten, Atlanten sowie verschiedener Stadtpläne.

 

Der deutsche Kartograf Adolf Stieler (1775 bis 1836) trug bedeutend zur Entwicklung der Kartografie in Deutschland bei. Er galt als Begründer der Atlaskartografie in Gotha. Auf der Sternwarte Gotha, die von Franz Xaver von Zach errichtet wurde, prüfte und beurteilte dieser selbst die damalig geschaffenen Kartenentwürfe aus Deutschland und Mittel-Europa und wurde so auch auf den talentierten jungen Adolf Stieler aufmerksam. Zach unterrichtete Stieler und gab ihm Anregungen für die Erstellung von Atlanten und Kartenwerken sowie von Stadtplan oder Weltkarte. Außerdem publizierte er Stielers erste Kartendarstellungen. Dies erfolgte unter seiner Leitung in Weimar sowie bei Friedrich Justin Bertuch in den "Allgemeinen Geographischen Ephemeriden". Stieler zeichnete zur damaligen Zeit alte Landkarten für den großen deutschen Handatlas desselben Verlags wie die "Topographisch-militairische Charte von Teutschland in 204 Sectionen" und den "Allgemeinen Hand-Atlas der ganzen Erde".

Alte Landkarten, Weltkarten und Stadtpläne von Stieler

 

Adolf Stieler zeichnete auch alte Landkarten und Weltkarten für andere Autoren, die allgemein anerkannt wurden. Dazu zählte beispielsweise die alte Karte von Deutschland in einem Maßstab von 1:2900000 die in einem Buch von E. A. Von Hoff erschien. Aufgrund dieser Arbeit kam Stieler mit dem Verleger Justus Perthes in Kontakt, mit dem er sein ganzes Leben lang verbunden blieb. Bereits im Jahr 1812 kontaktierte Adolf Stieler Christian Gottlieb Reichard zur gemeinsamen Konzeption eines Atlanten, welcher im Ergebnis dem Verleger Perthes im Jahr 1815 vorgelegt wurde. Stieler plante einen Atlas in praktischem Format, der möglichst genau, deutlich und vollständig sein sollte. Außerdem sollte der Atlas zweckmäßig sein sowie eine Gleichförmigkeit der Projektion des Maßstabes gewährleisten. Alte Landkarten wurden hier auf schönem Papier und in gutem Druck sowie in sorgfältiger Illumination hergestellt. Darüber hinaus sollte der Atlas zu einem guten Preis zu kaufen sein. Die erste Auflage des Atlas erschien im Jahr 1817. 1823 enthielt der Atlas 50 alte Landkarten und wurde mit tatsächlich nur 47 Blättern vorläufig komplettiert. Bis dahin hatte Reichard durch 16 alte Landkarten etwa ein Drittel der Karten beigesteuert. Stielers Hand-Atlas kam in zahlreichen Auflagen heraus.

Alte Landkarten in der Hundertjahr-Ausgabe von Stielers Hand-Atlas

 

In den Jahren 1920 bis 1925 wurde eine Hundertjahr-Ausgabe des Stielers Hand-Atlas herausgegeben, der nun auf über 108 Landkarten erweitert worden war. Stielers Hand-Atlas erschien in Deutschland bis zum Jahr 1945. Dabei setzte Stieler mit Erfolg den Typ des Hand-Atlanten fort. Dieser alte Atlastyp war zuerst von Adam Christian Gaspari und Friedrich Justin Bertuch in Weimar entwickelt worden.

 

Alte Landkarten bei Historikern beliebt

 

Heute gibt es eine neue Ausgabe des in 1906 hergestellten Stieler Hand-Atlas, der auch in der heutigen Zeit noch zu den besten historischen Kartenwerken in ganz Europa zählt. Der schwere Atlas ist anschaulich, enthält viele alte Landkarten und lässt sich trotz seines Gewichts bequem handhaben. Die Landkarten, Stadtpläne und Weltkarten sind gut lesbar. Der Atlas gewährt dem Leser einen guten Einblick in die Gestaltung und die Grenzen und die "alte Welt". Landkarte, Weltkarte oder Stadtplan präsentieren sich hier in bester Qualität.

 

Alte Landkarten, Weltkarten und Stadtpläne im Andrees Allgemeiner Handatlas

 

Ein berühmtes Werk der Kartographie ist der Andrees Allgemeiner Handatlas. Benannt ist dieser Atlas nach Richard Andree. Herausgeber in Leipzig und Bielefeld war von 1881 bis 1937 der Velhagen & Klasing Verlag. Andree entwickelte detailgenaue Karten mit guter Auflösung und zu günstigen Preisen. Dies machte die Verwendung chromolithographischer Platten anstelle von Kupferstichen möglich. Eine Ausgabe des Andrees Allgemeiner Handatlas unterschied sich jedoch von vorangegangenen Atlanten-Ausgaben. Der Atlas aus dem Jahr 1937 wurde im Offsetdruck hergestellt. Danach wurde der Andree Allgemeiner Handatlas jedoch im Hockdruckverfahren und der Verwendung von Zinkplatten reproduziert, denn so waren feinste Farbabstufungen möglich. Die Erstausgabe erschien im Jahr 1881. Albert Scobel gab die vierte und fünfte Ausgabe heraus. Die sechste bis achte Ausgabe wurde von Ernst Ambrosius herausgegeben. Die letzte Auflage des Atlanten veröffentlichte Konrad Frenzel. Zu den am Andrees Allgemeiner Handatlas beteiligten Kartographen zählten R. Köcher, G. Jungk, A. Thomas, E. Umbreit, K. Tänzler und H. Mielisch. Die Erstellung einzelner Karten erfolgte auch über andere geographische Institute wie Wagner & Debes, Peip sowie Sternkopf und Sulzer. Darüber hinaus entstand ergänzend zum Andrees Handatlas das Geographische Handbuch, welches in den Jahren 1882, 1894 und in der 2. Auflage 1895 erschien. Die 3. Auflage wurde 1898 bis 1899, die 4. Ausgabe im Jahr 1902 und die 5. Auflage im Jahr 1909 herausgegeben. Der Andrees Allgemeine Handatlas enthielt alte Landkarten, aber auch Weltkarte und Stadtplan fehlten nicht.

Alte Landkarten in Andrees Allgemeiner Handatlas - Ausgaben in anderen Ländern

 

Neben Deutschland wurde der Andrees Handatlas auch in anderen Ländern in ganz Europa herausgegeben. Es gab zum Beispiel die Österreichisch-Ungarischen Ausgaben in den Jahren 1904 sowie 1909 bis 1913 über den Wiener Verlag Moritz Perles. Auch in Schweden erschienen drei Ausgaben des Andrees Allgemeiner Handatlas bzw. Andree´s Stora Handatlas. 1881 verfügte dieser über 96 Kartenseiten. Im Jahr 1899 bestand er bereits aus 130 Hauptseiten und 140 Nebenkarten bis im Jahr 1907 eine 3. Ausgabe mit 143 Hauptkarten und 163 Nebenkarten erschien. Es folgte unter dem Titel Bonniers Världsatlas im Jahr 1924 eine Ausgabe mit 200 Karten sowie zusätzliche Karten Skandinaviens. Daher erschienen Einleitung und Versotext auch in schwedischer Sprache. Der Atlas erschien darüber hinaus in dänischen und finnischen Ausgaben. Auch mindestens eine italienische Übersetzung wurde verlegt. Die Andrees Karten wurden in London im Jahr 1893 ebenfalls für den Cassell´s Universal Atlas verwendet sowie 1895 bis 1900 für den Times Atlas. Dieser wurde in Leipzig in englischer Sprache gedruckt.

 

Alte Landkarten, Stadtpläne und Weltkarten im Atlas Antiquus

 

Der Atlas Antiquus des berühmten Kartographen Heinrich Kiepert wurde 1859 über den Berliner Verleger Dietrich Reimer herausgegeben. Heinrich Kiepert (1818 bis 1899) begeisterte sich schon früh für die klassische Antike und wurde später Universitätsprofessor in München. Damals fielen Kiepert bereits die fehlerhaften Ausführungen der alten Landkarten und Weltkarten in den Schulbüchern auf und diese wurden von ihm sehr bemängelt. Später verfasste Kiepert selbst als Autor zahlreiche alte Landkarten und Weltkarten sowie Schulkarten und ließ diese veröffentlichen. Vom Atlas Antiquus wurden hunderttausende Exemplare weltweit verbreitet und er erschien in vielen verschiedenen Sprachen. Ein weiteres wichtiges geografisches Werk von Heinrich Kiepert wurde der Neue Handatlas aus dem Jahr 1860. Die dritte Auflage dieses Werkes erschien 1896. Auch hier findet der Leser Weltkarte, Stadtplan und alte Landkarte.

 

Der Atlas Antiquus wurde erstmalig 1898 verlegt und unter anderem auch über den Verlag Justus Perthes herausgegeben. Der Verlag Perthes brachte von der Weltkarte bis zum Stadtplan alle damals benötigten Karten heraus. Perthes veröffentlichte neben Weltkarten auch Stadtpläne und weiteres Kartenmaterial. Auch Atlanten-Werke wie der Stieler Hand-Atlas, der Taschenatlas, der Geschichtsatlas, der Staatsbürger Atlas sowie der See-Atlas erschienen über den Perthes Verlag.

Alte Landkarten und Weltkarten im Atlas Antiquus

 

Der Atlas Antiquus erschien 2007 als Reprint der Berliner Originalausgabe von 1902. Er präsentiert sich in großem Format und ist ein exklusiv ausgestatteter Geschichtsatlas, der zwölf doppelblattgroße kartographische Karten in vier Farben über die Herrschaftsgebiete der antiken Welt enthält. Dazu zählen insbesondere alte Landkarten über Persien, Phönizien, Ägypten, Kleinasien, Palästina und Griechenland. Darüber hinaus enthält er Karten über die Ägäis, Afrika, Spanien, Gallien, Germanien und Britannien sowie das antike Imperium Romanum. Der Atlas Antiquus ist in Velour eingebunden und mit Goldprägungen versehen. Der Buchrücken besteht aus Seidenleinen. Interessierte Leser finden hier eine Sammlung von Karten der alten Welt im Stil des 19. Jahrhunderts.

 

Die Seiten des Atlas Antiquus sind großzügig angelegt und verfügen über ein Inhaltsverzeichnis. Im Anschluss folgen farbige alte Landkarten von Griechenland, Italien, Ägyten und insbesondere Rom. Die Karten sind mal auf einer halben Seite, mal auf einer Doppelseite abgebildet. Sie werden im Quer- oder Hochformat dargestellt. Auch Legenden, Überschriften und ergänzende Teilkarten sind auf den Seiten abgedruckt. Die alten Landkarten machen tatsächlich jedoch bei insgesamt knapp sechzig Seiten nur ungefähr die Hälfte aus. In der zweiten Hälfte findet sich das Namenverzeichnis, mit dem der Leser sich bei speziellen Suchen besser im Atlas Antiquus orientieren kann. Auch ein erklärendes Vorwort ist Teil dieses Atlas. Das alte Werk eignet sich nicht unbedingt für Laien. Der Benutzer oder Leser sollte neben Latein auch über historische Kenntnisse verfügen, um diesen Atlanten erfolgreich einsetzen zu können.

Alte Landkarten des Bibliographischen Instituts in Meyers Konversations-Lexikon und der Brockhaus Enzyklopädie

 

Das Bibliographische Institut wurde 1826 von Joseph Meyer als Verlagsbuchhandlung in Gotha gegründet. Heute hat es seinen Firmensitz in Berlin. Das Bibliographische Institut gehört der Unternehmensgruppe Cornelsen an und wurde bekannt mit Lexika wie beispielsweise Meyers Konversations-Lexikon, Meyers Atlanten, Meyers Reisebücher oder dem Duden, dem Standardwerk für deutsche Sprache. 1874 zog der Verlag nach Leipzig um. 1946 kam es zur Enteignung und das Unternehmen wurde als VEB Bibliographisches Institut Leipzig weitergeführt. Populär wurde das Institut durch die Herausgabe von Reiseführern und Wanderkarten. Aber auch Stadtplan und Weltkarte wurden vom Bibliographischen Institut herausgegeben. Im Jahr 1953 entschieden die ehemaligen Eigentümer, die Aktiengesellschaft nach Mannheim zu verlegen. Dies kam einer Unternehmensneugründung gleich. Die westdeutschen Lexikonverlage F.A. Brockhaus und Bibliographisches Institut AG fusionierten und wurden zum Bibliographischen Institut & F. A. Brockhaus AG. Auch der Brockhaus gab ein vielbändiges Konversations-Lexikon heraus, welches ebenfalls alte Landkarten, Weltkarte und Stadtplan enthielt.

 

Alte Landkarten und amtliche topografische Karten in Europa und Deutschland

 

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert erlebte die Kartographie von Atlanten in Deutschland und Europa ihre Blütezeit. Es galt auf der einen Seite, die in der Zeit gemachten Entdeckungen zu dokumentieren. Ebenso erfolgte die Abbildung der großen Landesaufnahmen. Die Geländedarstellung erfuhr eine deutliche Verbesserung. Bereits im 17. Jahrhundert wurde die Höhenlinie für alte Landkarten und Weltkarten erfunden, aber sie tauchte auf den Landkarten und Weltkarten erst 200 Jahre später regelmäßig auf. Die Höhenlinie war nun zwar präzise, aber immer noch nicht sehr ansehnlich in der Landkarte oder Weltkarte erkennbar. In Österreich und in der Schweiz suchte man daher nach Möglichkeiten, um die Höhenlinie anschaulicher zu gestalten und setzte schließlich die spezielle Schraffendarstellung ein und machte so die typgraphischen Landkarten präziser und ansehnlicher.

Alte Landkarten und Stadtplan in Meyers Konversations-Lexikon

 

Mit dem Meyers Konversations-Lexikon erschien ein bedeutsames enzyklopädisches Werk mit allgemeinem Inhalt und in deutscher Sprache. Es wurde im 19. und 20. Jahrhundert vom Bibliographischen Institut in mehreren Auflagen herausgegeben. 1986 wurde die Weiterentwicklung zu Gunsten der Brockhaus Enzyklopädie eingestellt. Dies war auf die Fusion des Brockhaus Verlag und des Bibliographischen Instituts zurückzuführen.

 

Das große Konversations-Lexikon wurde von Joseph Meyer, dem damaligen Geschäftsführer des Bibliographischen Instituts herausgegeben. Es umfasste 52 Bände und war damit das größte Konversationslexikon in Deutschland im 19. Jahrhundert. Herrmann Julius Meyer übernahm nach dem Tod Joseph Meyers im Jahr 1856 die Weiterführung der Lexika-Reihe. Bewusst ließ er das Werk in der 2. Auflage nicht als Großes Konversations-Lexikon erscheinen, sondern als neubearbeitete Fassung mit dem Titel "Neues Konversations-Lexikon für alle Stände", 1857 bis 1860. Dieses war mit lediglich 15 Bänden deutlich weniger ausführlich. Zwischen 1861 und 1867 erschien eine zweite, komplett überarbeitete Auflage mit dem Titel "Neues Konversations-Lexikon, ein Wörterbuch des allgemeinen Wissens". Dazu kamen ein Nachtrags- und Registerband. Auch ein Spezialsupplement gehörte dem Werk an. Des Weiteren veröffentlichte der Verlag zu dieser Auflage weitere sieben Bände als "Ergänzungsblätter zur Kenntnis der Gegenwart". Bis 1979 erschienen neun Auflagen des Meyers Konversations-Lexikon. Die neunte Auflage umfasste 25 Bände sowie 7 Ergänzungsbände und zehn Jahresbände. Bis zur 21. Auflage des Brockhaus war Meyer Enzyklopädisches Lexikon im 20. Jahrhundert das umfangreichste Lexikon in deutscher Sprache. Zum 150-jährigen Bestehen des Bibliographischen Instituts erschien die 9. Auflage in zwei Ausgaben, die in burgunderrotes Halbleder und auf 700 Exemplare limitiert in dunkelblauem Glanzleder ausgegeben wurde. Das Werk enthielt nicht nur alte Landkarten, sondern auch Stadtpläne verschiedener Städte.

 

Der Brockhaus Verlag war in seiner kartographischen Tätigkeit weniger bedeutend. Hier beschränkte man sich auf die Kartenbeilagen der Lexika. Stadtpläne und Weltkarte sowie alte Landkarten rundeten die mehrbändige Enzyklopädie ab.

 

Alte Landkarten, Stadtpläne und Weltkarten in anderen Ländern

 

Außer in Deutschland wurden auch in anderen Ländern in Europa kartographische Werke und Atlanten mit alten Karten entwickelt, die alte Karten, Stadtpläne und weiteres Kartenmaterial enthielten. Länder wie die Niederlande, England, Frankreich, Österreich-Ungarn, Polen, Spanien, Russland, Schweiz, Tschecheslowakei und die USA brachten verschiedene Atlanten und Kartenwerke heraus. Stadtplan oder alte Landkarten wurden hier ebenso publiziert wie die Weltkarte. Frankreich beispielsweise veröffentlichte verschiedene Atlanten und auch Italien brachte einige Kartenwerke heraus. Aus Österreich und Österreich-Ungarn stammt der "Allgemeine Hand-Atlas der ganzen Erde"und auch in Polen erschienen qualitativ hochwertige Atlanten, die aber außerhalb des Landes relativ unentdeckt blieben. Die Schweiz brachte hervorragende topographische Landeskarten wie etwa den "Schweizer Weltatlas" heraus und auch in Spanien entstand ein umfassender kartographischer Weltatlas. Auch in Amerika wurden berühmte Atlanten in vielen internationalen Ausgaben herausgegeben. Die verschiedenen Kartenwerke und alte Landkarten der einzelnen Länder unterscheiden sich teilweise erheblich in Darstellung und Originalität.